Bücher

Ist doch ein geiler Verein - Reisen in die Fußballprovinz

Rezensionen

SWR, 01. Juli 2008

Hier, wo die Bratwurst noch das mit Lachs belegte Canapé um Längen schlägt, wo Fußball noch nach Männerschweiß riecht und ein ergattertes Spielertrikot meist noch ein Unikat ist, wird noch der ehrliche Fußball gespielt. Ohne das große Geld. Dafür mit Herzblut. Sich daran zu erfreuen, mag in Zeiten der Totalvermarktung dieses Sports unverbesserliche Sozialromantik sein. Aber seien Sie ehrlich: Macht das nicht mehr Spaß, als im Daimler-Stadion zu sitzen, wo man in der Untertürkheimer Kurve ein Fernglas braucht, um das Spiel zu sehen?

Das Buch schafft es, Anekdoten und Kurioses aus allen Teilen der Bundesrepublik zu einer charmanten Sammlung zu vereinen, die so lesenswert wie kurios ist. Die schönsten Geschichten sind die, in denen die Menschen zu Wort kommen, die mit ihrem Verein leiden, wie sich das kein FC Bayern-Fan je vorstellen kann: Menschen wie Ivo Burmeister der die Rettung des KFC Uerdingen zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, Thomas Traumer, der Fanartikel von Altona 93 (von wem?) sogar nach Australien verkauft oder der Bayreuth-Fan, der sein Brusthaar für eine Spieler-Büste im Vereinsmuseum geopfert hat.


11Freunde, Juli 2008

Die alte Nick-Hornby-Weisheit: In den Fußball verliebt sich der Fan plötzlich und unerklärlich. Und so finden sich die einen irgendwann in Multiplexarenen zwischen McDonald’s-Theke und vibrierenden VIP-Sesseln wieder, während andere vor Brombeerhecken und morschen Holzbänken ihre Fahnen in den Wind hängen. Die Namen dieser Vereine haben sich ähnlich wie ZDF-Serien der 80er für ewig in das Fußballgedächtnis eingebrannt. Doch welcher Spieler und Verein wie und warum Heldenstatus erlangte, ist nur noch vage nachzuzeichnen. Christoph Ruf lässt all jene zu Wort kommen, die diese „unerklärliche Liebe“, die Faszination, die noch heute von diesen unsichtbaren Vereinen ausgeht, erklären können. Authentisch und nah und mit melancholischem Unterton fokussiert Ruf etwa die „eineinanhalb Handvoll Jungendlichen“ beim SC Pfullendorf, die unermüdlich gegen 300 Fans der Bayern-Amateure anschreien, oder steht neben Christian Höreth, Fan der SpVgg Bayreuth, der sagt: „Was für ein geiler Verein! Wieso merkt das nur keiner?“


Der Tagesspiegel, 24. April 2008

Wie sehr und wie rasant sich der Fußball gerade wandelt, erfährt man wahrscheinlich, wenn man sich mit einem 16-Jährigen über dieses Thema unterhält. Wer heute 16 ist und mit der Champions League sozialisiert wurde, wird zum Beispiel Chelsea für einen Weltverein halten, für einen Traditionsklub wie Real Madrid. Dass Chelsea vor einigen Jahren noch ein unbedeutender Stadtteilklub war und allenfalls ein paar Intellektuelle interessiert hat – geschenkt. Die Globalisierung hat auch unser Bild vom Fußball durcheinander gebracht. Der Kader des FC Chelsea ist uns heute so vertraut wie früher der von Waldhof Mannheim oder Fortuna Köln.

Klubs, die kaum ein 16-Jähriger noch kennt. Doch mit seinem Buch „Ist doch ein geiler Verein“ hat Christoph Ruf sie zumindest zeitweise dem Vergessen entrissen. Bei seinen „Reisen in die Fußballprovinz“ hat er Vereine besucht, die der Bedeutungslosigkeit entgegendämmern, die groß waren und klein geworden sind oder nie groß waren und es auch nie werden. Rufs Reportagen und Interviews fügen sich zu einem etwas anderen Sittengemälde des deutschen Fußballs, und sie erzählen, wie es einmal war (und nie wieder sein wird).


Rhein-Neckar-Zeitung, 28. Juli 2008

Ruf ist herumgekommen in der Fußball-Republik Deutschland. Zwischen Hamburg-Altona und Pfullendorf, Krefeld und Dresden hat er die Sportstätten abseits vom Großen Fußball-Geschäft besucht. Rufs Reportagen sind wie Kurzfilme über den kleinen Fußball, der mit nicht weniger Leidenschaft und Verzweiflung, Engagement und Hoffnung gespielt und gemanagt wird. Kleine Schlaglichter auf Vereine, die von ihrer Historie zehren, von Höhen- und Tiefflügen einschließlich Bauch- und Bruchlandungen, von ehrgeizigen Personen, die viel versprachen und gar nichts halten konnten. Nicht zuletzt von Menschen, die an diesen Orten ihre zweite Heimat, oder soziologisch gesprochen ihren dritten Ort gefunden haben. Bis dass der Tod sie scheide.

Ruf spürt diesen guten Geistern nach, schafft es auf wenigen Seiten pralle Aufnahmen zu schießen, die nicht allein im Moment verhaftet sind. Wer sich in diese Bilder vertieft, bekommt Lust – darauf, selbst (wieder?) in die Fußballprovinz zu reisen.


Der tödliche Pass Nr.50, Juli 2008

Rufs Geschichten sind keine arglose Beweihräucherung der Underdog-Kicker. Selbstkritisch räumt er ein, „in den unteren Ligen agieren nicht die besseren Menschen“ sondern lediglich „die weniger erfolgreichen“. Aber am Sportplatz-Seitenstreifen und in den Vereinskneipen seien die Geschichten zu erleben, „die den Fußball liebenswert machen.“


Junge Welt, 01. August 2008

Abseits des Millionengeschäfts Fußball-Bundesliga hat der Journalist Christoph Ruf deutsche Fußballclubs besucht, die eines gemeinsam haben: eine besondere Geschichte. Die Reise führte ihn zu Traditionsclubs, die tief gefallen sind (Lok Leipzig, Waldhof Mannheim oder Freiburger FC), in die Fußball-Provinz (Bahlinger SC) oder zu Vereinen, bei denen zwischen Anspruch und Wirklichkeit schon immer eine riesige Lücke klaffte (TeBe Berlin). Ein absolut lesenswertes Buch über das, was die Faszination Fußball eigentlich ausmacht.


Wilhelmshavener Zeitung, 01. Juli 2008

Rundum lesenswerte und pointiert erzählte Geschichten abseits aller Sozialromantik sind dabei herausgekommen, die dem Leser mehr als eine Ahnung davon verschaffen, was Fußball abseits aller Jahreszeit-Märchen (auch) ausmacht.